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Elina über ihre deutsch-russische Hochzeit mit vielen Bräuchen und Traditionen

Elina und Steven haben am 30. Juli eine deutsch-russische Hochzeit in Dortmund gefeiert. Den beiden war wichtig, beide Kulturen an ihrem schönsten Tag zu berücksichtigen. Elina hat uns unter anderem über russische Hochzeitsbräuche erzählt und wie ein royaler Hut die riesengroße Nervosität in der Kirche stoppte. Ein sehr spannender Bericht mit traumhaften Hochzeitsfotos!

HOCHZEIT FEIERN: Elina, du und Steven habt am 30. Juli 2011 in Dortmund eine deutsch-russische Hochzeit gefeiert. Gab es spezielle Unterschiede zu einer „üblichen“ Hochzeit in Deutschland?

Elina: Eine richtige russische „Swadba“ unterscheidet sich schon sehr von einer „üblichen“ deutschen Hochzeit. Zu einer richtigen Swadba gehört viel Essen, natürlich genug zu trinken (nicht nur Wodka :-)), ein Tamada (professioneller Moderator, der durch den Abend führt), oftmals eine kleine Liveband mit einem gefühlten schier unermessbaren Repertoire an russischen Liedern und viele verschiedene Kostüme für kleine Sketche und Spiele. Gefeiert wird schon meist ab der Mittagszeit bis spät in die Nacht hin. So ganz war das nicht unser Fall. Aber auch eine „übliche“ deutsche Hochzeit, beginnend mit Kaffee und Kuchen, vielen Reden und traditioneller Sitzordnung, während des Abendessens hätte nicht direkt zu uns gepasst.

Ich denke wir haben eher eine individuelle „Elina-und-Steven-Hochzeit“ gefeiert und uns aus beiden „Kulturen“ rausgepickt was zu uns gepasst hat. Gefeiert haben wir erst ab dem frühen Abend mit Sektempfang und anschließendem Abendessen. Einen Tamada hatten wir nicht, aber eine Freundin von mir hat es übernommen einige spezielle Bräuche und Traditionen – und zwar deutsche und russische – durchzuführen und ein wenig zu erklären. Spiele auf der Hochzeit sind, denke ich, sowohl auf deutschen als auch russischen Hochzeiten bekannt.

Die Tischordnung entsprach wohl auch eher der russischen Tradition: Am Brauttisch saßen wir mit unseren Trauzeugen und deren Partnern, statt mit den Eltern, wie es doch eher bei den deutschen Hochzeiten üblich ist. So habe ich es zumindest von vielen Bekannten gehört :-). Die vielen bunten und lauten Sketche und Spiele mit den Kostümen haben wir bewusst weggelassen, sowie „Kaffee und Kuchen“ der deutschen Hochzeiten. Aber sonst sind deutsche und russische Hochzeiten im Endeffekt doch sehr ähnlich – letztendlich geht es nur darum einen schönen Abend mit gutem Essen und schöner Atmosphäre zu verbringen. Und so war es auch.

HOCHZEIT FEIERN: Kannst du uns kurz schildern, wie euer Hochzeitstag abgelaufen ist?

Elina: Oh, der hat schon früh angefangen – für mich zumindest. Um 8 Uhr hatte ich schon meinen Friseurtermin mit meiner Mama. Um 11 Uhr wurden wir dann im Standesamt getraut. Nach einem gebührenden Empfang vor dem Standesamt von Stevens Kollegen vom „Deutschen Roten Kreuz“ mit Blaulicht und Martinshorn und einem kleinen Sektempfang für die Gäste beim Standesamt, bin ich auch schon wieder nach Hause gefahren, da dort die Visagistin gewartet hat, um mir ein richtiges Braut Make-Up zu verpassen. In dieser Zeit ist dann auch die Fotografin eingetroffen und hat Steven und mich beim Umziehen und Fertigmachen fotografiert.

Fotos: PassionPictures

Um 15 Uhr hat dann unser Traugottesdienst begonnen. Wunderschön mit einer unglaublichen Beteiligung der vielen lieben Geschwister aus unserer Gemeinde. So wurde der Blumenschmuck für uns übernommen. Aber das bewegendste war, als das Streichquartett angefangen hat zu spielen, als ich mit meiner Mutter den Mittelgang entlang schritt zu Steven, der schon am Altar mit den Trauzeugen und Brautjungfern wartete. Wirklich überraschend war für uns, dass nicht nur der Gemeindechor gesungen hat, sondern auch noch die Streicher unserer Gemeinde einige wunderschöne Stücke spielten. Den Mittelgang kam ich mit meiner Mutter entlang, da sie alleinerziehend war und für mich direkt feststand, dass auch sie mich sozusagen an Steven „übergibt“ und zum Altar führt und nicht irgendein männlicher Verwandter.

Nach dem Gottesdienst wurden wir vor der Kirche mit einigen ganz bekannten Aktionen erwartet – Eheeignungstest, Herz aus einem Laken schneiden, … Danach ging es im Autokorso zu unserer Feierlocation, dem Ruderclub am Hafen. Dort gab es einen Sektempfang mit dem Vorspeisen-Büfett, während ein Saxophon- und ein Bass-Spieler für die Gästeunterhaltung gesorgt haben. Leider haben wir von der tollen Musik gar nichts mitbekommen, da wir in der Zeit unseren Fotoshoot hatten. Nun ja, aber immerhin waren die Gäste gut unterhalten und vielen waren von den beiden Musikern begeistert.

Ab 19 Uhr begann dann das Abendessen mit den warmen Speisen und natürlich ein bisschen Programm, d. h. einigen Reden und Überraschungen von unseren Freunden. Aber im Großen und Ganzen wurde nach dem Eröffnungstanz von uns kräftig gefeiert und getanzt.

HOCHZEIT FEIERN: Wie groß war die Nervosität am Morgen der Hochzeit?

Elina: Ich habe es selbst nicht glauben können: überhaupt nicht da. Ich war extrem ruhig, hab noch beim Friseur fröhlich ein Brötchen gegessen und die Trauung im Standesamt komplett ruhig genießen können. Ich habe mir schon Gedanken gemacht, ob das vielleicht ein schlechtes Zeichen sei, eine Braut ohne Nervosität. Das passt nicht zusammen. Aber ich sollte schnell eines Besseren belehrt werden und die „schlechten Zeichen“ sind schnell verschwunden. Während des Schminkens wurde ich langsam angespannt, aber noch immer keine Nervosität.

Als ich jedoch mit meiner Mutter in der Kirche im Vorraum stand, bevor wir reingehen sollten, kam ganz plötzlich die Nervosität – aber so extrem, mit einer schnellen flachen Atmung und zitternden Beinen und Händen. Das hielt sich auch noch weiter, so dass ich praktisch durch den Mittelgang gerannt bin und meine Mutter mich immer wieder bremsen musste. Vorne angekommen, sollten wir uns noch nicht setzen, sondern vorne vor der Gemeinde stehen bleiben. Meine Hände haben so stark gezittert, dass ich meinen – recht schweren – Strauß kaum halten konnte und dieser ganz offensichtlich für alle mitzitterte. Erst als ich meine Freundin mit einem großen Hut (der ihr aber hervorragend stand) in der Gemeinde habe sitzen sehen, als wäre sie auf einer royalen Hochzeit, musste ich grinsen und ab da ging es auch wieder mit der Nervosität.

HOCHZEIT FEIERN: Hattet ihr Unterstützung bei den Vorbereitungen für die Hochzeit oder haben sich dein Mann und du um alles allein gekümmert?

Elina: Also das Meiste haben wir schon selber gemacht. Natürlich aber mit der Hilfe unserer Eltern und unserer Freunde. Alle Ideen wurden erst mal der Familie und den Freunden präsentiert und dann mit deren Meinung festgelegt.

Die Hochzeitspapeterie haben wir selbst erstellt, d. h. Einladungs-, Menü- und Danksagungskarten, Sitzplan, Tischkarten mit den Tischnamen usw. Deko wie Kerzen, Lampions usw. haben wir besorgt und andere Deko wie Kerzenhalter geliehen.

Zwei Tage vor der Hochzeit ging dann der Deko-Marathon mit den Mamas los. Während meine Mutter und ich die Tische eingedeckt, Stuhlhussen übergeworfen und den Raum dekoriert haben mit der Blumendeko von unserer Floristin, haben Steven und seine Mutter 80 Lampions „zusammengebaut“ und an der Decke befestigt. Den Tagesablauf haben Steven und ich gemeinsam mit meiner Mutter geplant. Den ganzen Feinschliff mit den Überraschungen hat sie dann aber mit meinen Freundinnen gemacht. Also ohne unsere Eltern und Freunde hätten wir wohl so einiges nicht hinbekommen.

HOCHZEIT FEIERN: Gab es einen besonderen Moment während der Hochzeitsplanung, an den du dich immer wieder gern erinnerst?

Elina: Wahrscheinlich wie bei jeder Braut die Brautkleidsuche. Das war wirklich etwas Besonderes. Vor allem, weil auch der Brautmoden-Laden etwas ganz Besonderes ist. Eine alte Villa, sehr edel und chic, wo die Anprobe immer in einem eigenen Raum stattfindet und nicht mitten im voll besuchten Geschäft. Die Atmosphäre war wirklich außergewöhnlich.
Ein besonderer Moment für uns beide war aber auch der „Dating-Day“ bei der Agentur unserer Fotografin und unseren DJs. An dem Tag konnten alle Brautpaare die Musiker, DJs und Fotografinnen kennenlernen. Ab da (etwa sechs Monate vor der Hochzeit) waren wir so richtig in Hochzeitsstimmung und haben gemerkt, ja tatsächlich, bald ist der Tag da.

HOCHZEIT FEIERN: Wie hat eure Hochzeitsdeko ausgesehen?

Elina: Wir hatten eine ganz spezielle Hochzeitsfarbe. Ich wollte gerne alles klassisch und edel halten. Deswegen sind wir bei Weiß und Creme geblieben. Akzente wollte ich durch viele Kerzen und das Licht setzen. So standen an jedem Platz kleine Teelichthalter, die zum Einen als Namenskärtchen dienten und zum Anderen das Gastgeschenk waren. Zuerst aber haben sie zu einer wunderbaren Atmosphäre beigetragen, wie auch die Lichtinstallation im Raum. Deswegen habe ich bewusst kein besonderes Motto mit der Deko verbinden wollen oder alles in einer Farbe halten. Aber ich denke Bilder drücken mehr aus als Worte …

HOCHZEIT FEIERN: Hattet ihr einen besonderen Wunsch an eure Gäste? Zum Beispiel, dass sie sich an einen besonderen Dresscode halten?

Elina: Nein, das hatten wir nicht.

HOCHZEIT FEIERN: Dir waren einige Hochzeitsbräuche und Traditionen ganz wichtig. Welche waren das genau?

Elina: Also es begann schon beim Eintreffen an der Feierlocation. Empfangen wurden wir mit einem Spalier aus weißen Rosen. Auf der anderen Seite wartete schon meine Freundin mit einem deutschen Brauch. Statt des bekannten Holzbaum-Sägens, fanden wir es netter einen anderen deutschen Brauch miteinzubinden, damit es eben eine deutsch-russische Hochzeit wird. Wir haben dann jeder einen Baum pflanzen müssen, naja viel mehr doch ein Kiefern-Bäumchen umpflanzen :-).

Direkt danach stand meine Mutter mit einem großen runden Brot und kleinem Behälter mit Salz vor uns. Nach russischer Tradition mussten wir ein Stück Brot abbrechen, in Salz tunken und essen für langes Glück und ganz viel Segen. Wer das größere Stück abbricht, hat das Sagen in der Ehe. Und anschließend überreichte Stevens Vater uns je ein Glas Sekt, das in einem Zug geleert werden musste und dann mit Schwung hinter den Rücken geworfen werden sollte. Denn nach russischem Brauch bringen diese Scherben dann Glück.

Während des Essens wollten wir die deutschen Traditionen natürlich nicht außen vor lassen. Stevens Vater und meine Mutter haben je eine Rede gehalten. Doch sollten die Reden nicht Überhand nehmen und statt weiteren Reden, erklärte meine Freundin den deutschen Brauch des Gläserklingelns und das russische Pendant dazu, das laute „Gorka“ Rufen mit dem Trinken eines Pinnchens Wodka, während das Brautpaar sich küsst. „Gorka“ bedeutet „bitter“ und das Küssen des Brautpaares, soll den bitteren Geschmack des Wodkas versüßen.

Eine wichtige Tradition war auch, dass Steven und ich eine Dankesrede nur an die Eltern gehalten haben, um uns für ihre Hilfe und Unterstützung zu bedanken. Und danach hat Steven mit seiner Schwiegermutter und ich mit meinem Schwiegervater getanzt. Ich glaube, dass es diese Tradition aber so ähnlich auch im Deutschen gibt?
Natürlich gab es auch die bekannten Aktionen wie Hochzeitstorte anschneiden und Brautstraußwerfen, die ich dann doch eher dem Deutschen zuordnen würde.

Den Abschluss bildete der russische Brauch der Schleierabnahme um Mitternacht. Vorher haben wir unseren letzten Tanz als Brautpaar absolviert, bevor dann meine Patentante ein paar Worte an uns richtete und dann meinen Schleier abnahm und mich sozusagen ins Eheleben entließ. Und so war ich ab dem Punkt keine Braut, sondern eine Ehefrau und wir beide offiziell kein Braut-, sondern nun Ehepaar.

Fotos: privat

HOCHZEIT FEIERN: Es heißt immer wieder, dass am Tag der Hochzeit die Braut gar nicht alles mitbekommt, was rund um sie passiert. Wie ist es dir dabei ergangen?

Elina: Ganz genau so. Ich hatte das Gefühl ich erlebe alles mit einem Tunnelblick. Alles zog wie in einem Film an mir vorbei und obwohl ich alles mitbekommen habe, habe ich das nicht so ganz realisieren können. Alles wirkte unwirklich und nicht real. Erst in den Tagen nach der Hochzeit habe ich immer wieder an den einen oder den anderen Moment gedacht, die Fotos angesehen und erst dann so recht realisiert was das alles war, wie schön es war und mich daran erinnert, was ich dabei gefühlt habe. Aber der Hochzeitstag selber, ja da habe ich alles nur unwirklich wie in einem Traum erlebt.

HOCHZEIT FEIERN: Was war für dich der schönste Moment?

Elina: Als ich vollkommen nervös mit zitternden Händen und Strauß den Mittelgang entlang „rannte“ und dann Stevens Blick sah, als er mich das erste Mal gesehen hat. Er sah so glücklich und gleichzeitig erstaunt aus, als wäre das nicht wirklich. In dem Moment fühlte ich, dass wir genau das Richtige machen und war glücklich, dass genau er dort auf mich wartete.

HOCHZEIT FEIERN: Dein Tipp als „ehemalige Braut“ an alle zukünftigen Bräute?

Elina: Genießt es! Denkt nicht, ob und was schief gehen könnte und lacht über alle kleinen Pannen, denn in zehn Jahren werden diese Anekdoten euch mit am meisten im Gedächtnis bleiben und machen die Hochzeit auch lebendig. Haltet zwischendurch inne und versucht alles mal bewusst wahrzunehmen. Kostet jeden Moment aus, auch wenn ihr nicht alles mitbekommt. Später erinnert ihr euch daran. Seid einfach glücklich.

HOCHZEIT FEIERN: Vielen herzlichen Dank für den wundervollen Bericht und die schönen Fotos! Und alles Gute für das Eheleben 🙂

 

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