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„Typisch griechisch mit ganz vielen Weibern“

Sofia und Pavlo haben sich am 29.09.2012 kirchlich das Ja-Wort in Berlin gegeben. Es war eine heitere, traditionell griechische Hochzeit auf der viel gelacht und vor allen Dingen getanzt wurde. Sofia erzählte uns von ihrem aufregenden Morgen am Tag der Hochzeit und den typisch griechischen Hochzeitsbräuchen. Ein spannender Bericht über ein lebenslustiges Paar, das weiß wie man den Hochzeitstag gebührend feiert.

HOCHZEIT FEIERN: Liebe Sofia, ihr habt am 29.09.2012 kirchlich in Berlin geheiratet. Es war eine traditionelle, griechische Hochzeit. Wie beginnt denn der traditionell, griechische Morgen am Tag der Hochzeit?

Sofia: Typisch griechisch mit ganz vielen Weibern. Wir waren acht Frauen in meiner 50 qm Wohnung. Als dann auch noch meine Friseurin (die hervorragende Arbeit geleistet hat! Danke meine Süße) und der Fotograf kamen und meine zweijährige Tochter wach wurde, war das Chaos perfekt. Als Braut durfte ich natürlich als Erste unter die Dusche. Dann ging es auch gleich mit den Haaren los. Im Hintergrund hörte man die Mädels Kaffee trinken und lachen und um mich herum wuselte meine Tochter. Es war traumhaft chaotisch.

HOCHZEIT FEIERN: Hattest du ein typisch griechisches Brautkleid an?

Sofia: Wir hatten mal vor Jahren mit Pavlo (mein Mann) darüber gesprochen ganz traditionell in griechischen Trachten zu heiraten, aber ich konnte ihm die Idee dann doch ausreden. Schließlich will man nur einmal heiraten und da wollte ich es mir nicht entgehen lassen ein weißes Brautkleid zu tragen. Jedes Mädchen träumt doch von einer weißen Robe. Mein Kleid war dann zwar ivoryfarben, aber Liebe auf den zweiten Blick.

HOCHZEIT FEIERN: Warum zweiten Blick?

Sofia: Zusammen mit ein paar Freundinnen war ich schon im Januar in einem Brautmodengeschäft um ein paar Kleider anzuprobieren. Die Verkäuferin hatte das Kleid zusammen mit ein paar anderen in die Umkleide gebracht. Doch so wie es auf dem Bügel hing gefiel es mir nicht. Die Verkäuferin wollte das Kleid wieder ins Lager bringen, aber einer meiner Freundin ging dazwischen und zwang mich es anzuziehen. Beim Blick in den Spiegel machte es dann BUMM! Das war mein Kleid!

HOCHZEIT FEIERN: Gehören zu einer griechischen Hochzeit auch Brautjungfern oder ist das eher nicht üblich?

Sofia: Griechische Brautjungfern sind eigentlich kleine Mädchen, die in Minibrautkleidern die Braut begleiten. Ich hatte meine Tochter und zwei weitere Mädchen. Aber ich wollte auch unbedingt „erwachsene“ Brautjungfern haben. Das wurden dann meine Schwester, meine zukünftige Schwägerin und meine beste Freundin. Die Drei trugen das gleiche Kleid passend zu meiner Hochzeitsfarbe Lila. Sie waren auch diejenigen, auf die mich 100% verlassen konnte an diesem Tag. Sie haben alles super organisiert.

HOCHZEIT FEIERN: Was war der schönste Augenblick während der Zeremonie? Eventuell der Ringtausch?

Sofia: Bei der griechisch-orthodoxen Trauungszeremonie erwartet der Bräutigam die Braut vor der Kirche. Anschließend wird das Brautpaar vom Priester in die Kirche geführt. Mein schönster Augenblick war als unser Trauzeuge uns die Hochzeitskränze auf den Kopf gelegt hat und mein Mann ihm zuflüsterte „Vorsicht meine Haare“. Ich musste so sehr lachen.

HOCHZEIT FEIERN: Nach der Trauung gab es sicherlich eine große Feier. Wo wurde gefeiert?

Sofia: Wir haben uns für ein deutsches Lokal mit typischem, Berliner Buffet entschieden. Wir sind Griechen, wir essen jeden Tag griechisch. An unserem Hochzeitstag wollten wir die Küche unseres zweiten Heimatlandes genießen. Auch wenn Thomas, einer unserer deutschen Gäste ganz enttäuscht war, dass es kein Souvlaki und Tsatsiki gab. Das Lokal hatte noch ein ganz mediterranes Flair was dann super zu einer griechischen Hochzeit gepasst hat. Bei Live Musik wurde bis 6 Uhr morgens gefeiert und getanzt. Einmal hatte ich das Gefühl, dass wirklich alle 200 Gäste gleichzeitig auf der Tanzfläche getanzt haben. Es war überwältigend.

HOCHZEIT FEIERN: Du bist die erste griechische Braut, die wir interviewen, deshalb sind wir ganz gespannt auf die Hochzeitsbräuche. Welche gab es an eurer Hochzeit?

Sofia: Der schönste Brauch, über den Pavlo und ich uns am meisten gefreut haben war, dass unsere Freunde in Trachten zur Kirche gekommen sind. Sie haben mich tanzend zur Kirche gebracht. Es gibt natürlich noch weitere Bräuche. Eine griechische Braut wird vom „Koumparo“ den Trauzeugen abgeholt und zur Kirche gefahren. Als unser Koumparo dann kam erwarteten ihn meine ledigen Mädels schon an der Tür und ließen ihn erst rein, nachdem er mich „freigekauft“ hatte. Anschließend muss er der Braut die Brautschuhe anziehen. Der Schuh „passt“ leider nicht. Also muss er ihn mit Geldscheinen auspolstern bis die Braut sagt „es passt!“ Meine Freundin Zoe stand neben mir und sagte „Du sagst erst es passt, wenn ich es dir sage!“ Und natürlich haben alle Gäste mit Ihrem Besteck an ihren Gläsern geschlagen, als wir als Brautpaar in das Lokal eingezogen sind.

HOCHZEIT FEIERN: Der Hochzeitstanz ist ein ganz besonderer Moment. Verrätst du uns zu welchem Lied ihr getanzt habt?

Sofia: Wir hatten zwei Hochzeitstänze. Den traditionellen, griechischen Kreistanz der mit den Brautpaar, den Trauzeugen und den Brauteltern beginnt und die Gäste einlädt sich einzureihen und auf das Brautpaar zu tanzen. Aber wir wollten unbedingt auch einen besonderen Tanz zu zweit haben. Also haben wir nach dem Kreistanz zu Bryan Adams „Everything I do, I do it for you“ getanzt.

HOCHZEIT FEIERN: Wie habt ihr die Feier ausklingen lassen? Wurde bis in die frühen Morgenstunden getanzt oder seid ihr direkt in die Flitterwochen geflogen?

Sofia: Getanzt! Wir haben bis 6 Uhr morgens getanzt. Mein Mann ist Musiker und seine Musikerfreunde haben uns ein wunderbares Hochzeitsfest beschert. Wir hatten sogar einen „ausländischen“ Part bei dem unser Freund Minas Stücke von Michael Jackson am Mikro gesungen hat, begleitet von unserer Zweijährigen. So gegen 8 Uhr morgens sind wir erschöpft ins Bett gefallen und nach 6 Stunden Schlaf sind wir wieder los. Wir haben uns auf einen Kaffee mit den Freunden aus ganz Deutschland getroffen, eher sie wieder heimwärts fuhren.

HOCHZEIT FEIERN: Wenn du an euren Hochzeitstag zurückdenkst – war alles perfekt oder würdest du rückblickend etwas anders gestalten?

Sofia: Im Nachhinein habe ich mir viel zu viele Sorgen um die perfekte Gestaltung und Organisation gemacht. Es lief alles so wie ich es mir gewünscht habe, auch wenn ich es vorher nicht perfekt durchgeplant hatte. Drei Wochen vor der Hochzeit war ich kurz vor einem Herzstillstand, da ich von einem Marathon quer durch Berlin erfahren hatte. Mit diesem Marathon hatte ich schon in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht. Ich hab mich völlig verrückt gemacht, weil unser ganzer Zeitplan durcheinander gebracht würde. Doch am Tag selber hab ich gar nicht mehr an den Marathon gedacht. Wir hatten keine Probleme zur Kirche zu kommen und auch die Gäste waren alle pünktlich. Wie auch mit dem Wetter. Gerade als wir zum Shooting in den Park fahren wollten fing es an zu nieseln. Hätte mir das ein paar Tage vorher jemand erzählt wäre ich in Tränen ausgebrochen, doch in dem Augenblick war es mir egal. Ich hab sogar herzhaft darüber gelacht. Wir haben einen Abstecher in unserem griechischen Stammcafe gemacht und haben bei einem Mocca gewartet, dass es aufhört.

HOCHZEIT FEIERN: Wie habt ihr euch bei euren Gästen bedankt? Habt ihr Dankeskarten selbst gebastelt und verschickt?

Sofia: Wir haben natürlich griechische Bonbonieren, Gastgeschenke mit fünf Hochzeitsmandel, gebastelt. Unsere Dankeskarten sind noch in Arbeit. Wir wollen jeden Gast eine individuelle Dankeskarte zukommen lassen und das braucht noch Zeit.

HOCHZEIT FEIERN: Was ist dein Tipp als „ehemalige“ Braut an alle zukünftigen Bräute?

Sofia: Macht euch nicht viel zu viele Sorgen wenn die Organisation nicht so klappt wie Ihr es wollt. Kostet auch die Vorbereitungen in vollen Zügen aus! Und genießt den Tag, den er geht wirklich zu schnell um.

HOCHZEIT FEIERN: Vielen Dank für den wunderschönen Bericht und alles, alles Gute für die Zukunft.

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